Es gibt sie doch noch: Die guten Nachrichten. So sehr ich mir vorgenommen habe, sie öfter zu bringen – so schwer fällt die Umsetzung. Mangels Substanz. Umso erfreulicher, dass es heute Positives zu verkünden gibt: Nach tagelanger Rumeierei, in der er sich über Ostern wendete wie ein Osterei, hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) jetzt eingestehen müssen, dass es eine Mega-Panne beim neuen Wehrdienstgesetz gegeben hat.
Sein Haus hatte immer wieder beteuert, es stimme gar nicht, dass deutsche Männer zwischen 17 und 45 Jahren künftig eine Ausreisegenehmigung brauchen, wenn sie länger als drei Monate ins Ausland wollen. Also wieder mal – alles böse Fake-News, auch der Bericht auf meiner Seite. Die Genehmigung gelte automatisch als erteilt, die Regel sei ausgesetzt, so die gebetsmühlenhafte Leier aus dem Hause Pistorius, der rätselhafterweise der beliebteste Politiker in Deutschland ist – vielleicht, weil er so solide die Backen aufblasen und ernsthaft in die Kameras kann – keine Selbstverständlichkeit in einer Partei, deren Vorsitzender an dieser im TV-Zeitalter so wichtigen Aufgabe scheitert.
Ostereier in Tarnfleck
Jetzt kommt das Ministerium mit einer neuen Beteuerung: „Die Ausnahme von der Genehmigungspflicht“ solle noch diese Woche zugelassen werden, wie die „Bild“ berichtet: „Klartext: Das Ministerium hat am Osterwochenende rumgeeiert, das Land hinter die Fichte geführt.“
Wenn wir davon ausgehen, dass diese Zusage mehr Haltbarkeit hat als die Wahlversprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dann ist das heute eine gute Nachricht. Wenn auch leider nur oberflächlich – denn ganz ehrlich: Wie tief muss ein Land gesunken sein, wenn die bloße Wiederherstellung von Selbstverständlichkeiten als Erfolgsmeldung durchgeht? Aber weil wir gar so wenige davon haben, lassen wir sie heute einfach mal als solche gelten, oder?
DDR oder nicht DDR?
PS: Bei dem Thema haben sich auch viele alternative Medien leider nicht mit Ruhm bekleckert. Es wurde mancherorts so getan, als würde eine neue DDR-Mauer errichtet – und ich meine damit ausdrücklich nicht sachliche und überaus berechtigte Kritik an der Änderung, sondern nur die Fälle von reinem Alarmismus. So kritisch ich die Sache sehe – man muss die Kirche im Dorf lassen. Es handelte sich schlicht um das Wiederaufleben einer uralten Regelung, die auch früher schon galt und mit Reaktivierung des Wehrpflichtgesetzes quasi wiederauferstand. Auch früher wurde sie schon nicht umgesetzt, wie ich weiß, weil ich ohne jede Genehmigung 16 Jahre lang in Russland war. Wer mit solchem Alarmgeschrei und maßlosen Übertreibungen arbeitet, liefert dem Mainstream genau die Munition, die er zur Diffamierung braucht – und schadet damit nicht nur sich selbst, sondern dem gesamten alternativen Journalismus.
PPS: Ein kundiger Leser macht mich zu Recht darauf aufmerksam, dass der Druck der alternativen Medien wesentlich dazu beigetragen hat, dass Pistorius eingelenkt hat – das verdient Anerkennung, und ich hätte es erwähnen sollen. Auch auf meiner Seite war dazu ein Beitrag mit spitzer Feder erschienen – und sachliche oder satirische Kritik ist genau das, was wirkt. Übertreibungen hingegen sind kontraproduktiv: Sie liefern dem Mainstream die Munition, die er braucht, und wer allen Ernstes eine neue DDR-Mauer heraufbeschwört, hat nicht zur Lösung beigetragen – sondern zum Lärm. Vor der Aussetzung der Wehrpflicht galt §3 Abs. 2 ebenfalls ohne Spannungsfall – wie meine 16 Jahre in Russland ohne jede Genehmigung belegen. Eine neue DDR war es damals nicht. Und ist es heute nicht. Zumindest nicht in Sachen Wehrpflicht. In vielen anderen Bereichen sind die Parallelen dagegen erschreckend.
Bild: Symbolbild/KI-generiert/Grok

